Sonntag, 22. Mai 2016

Tellerschleifer

Zwei schöne Dinge sind an diesem Wochenende eingetreten - ein ehemaliger Kollege hat mich endlich besucht und gemeinsam haben wir in der Werkstatt eine langgehegte Idee realisiert.
Wir haben beide eine relative exotische Einlage für das CMS bzw. Basis-System von Festool ehemals Festo. Es handelt sich hierbei um die Einlage "Basis 3" eine Teller- und Spindelschleifer-Kombination. Wer schon einmal so eine wollte, der weiß wie selten diese Teile zu bekommen sind und welche Preise dafür aufgerufen werden.


Der Tellerschleifer ist wirklich erste Sahne, extrem laufruhig, sehr präzise und er lässt sich sehr gut absaugen. Leider ist die Montage der Einlage eine Katastrophe und hat aus diesem Grunde bei uns beiden kaum Einsatzzeiten erhalten. Auch ist die Arbeitsplatte aus Stahlblech nicht sehr angenehm. 

Wir haben an diesem Wochenende der Tellerschleifer-Kombination ein neues Zuhause gebaut. Aus einigen Plattenresten haben wir die benötigten Teile ausgeschnitten.


Die Aufnahmen der schwenkbaren Motoreneinheit werden auf die Halteplatte übertragen und das Austrennen erfolgt mit einigen Tauchschnitten. Mit der Stichsäge wird der Rest an den Ecken bearbeitet.



Die Stanzteile haben einige herausstehende Stellen und liegen somit nicht satt auf. Mit einem Forstnerbohrer und einem Stechbeitel lässt sich das Problem sehr gut lösen.


Die neue Einheit soll unabhängiger werden, dazu bekommt sie einen eigenen Korpus und ist somit eine Tischversion. Die Seitenteile werden mit Dominos verstärkt und verschraubt.


Damit man die Drehknöpfe für die Winkelverstellung leichter erreichen kann, werden in die Seiten Öffnungen gefräst. Obwohl die Absaugung recht gut funktioniert, gab es eine ziemliche Sauerei. Auf den fertigen Korpus wird die Halteplatte geschraubt, welche noch zwei Nuten zur Befestigung der eigentlichen "Arbeitsplatte" bekommt.



 

Damit die "Arbeitsplatte" satt auf dem Korpus aufliegt, müssen Aussparungen eingebracht werden, da die Halterungen hervorstehen. Das haben wir auf der Tischkreissäge mit dem Queranschlag gemacht. Die Befestigung der "Arbeitsplatte" erfolgt über Einschraubmuffen, diese lassen sich bekanntlich sehr gut mit Hilfe eines Bohrständers montieren.


 

Die "Arbeitsplatte" lässt sich je nach Winkel des Tellerschleifers verstellen. Noch erfolgt das mit Sechskant-Schrauben, aber ich habe schon etwas Werkzeugloses im Sinn.


Der fast fertige Schleifer funktioniert einwandfrei. Die Schleifleistung ist sehr gut und durch die recht große und glatte Fläche ist eine sehr feinfühlige Führung des Werkstückes möglich. Es fehlt jetzt noch eine hintere Abdeckung für eine Anwendung der Schleifwalze und auch ein Schalter soll noch eingebaut werden. Ob ich in den Tisch eine T-Nut-Schiene einbaue, kann ich noch nicht sagen, aber ich habe zumindest schon mal eine.


 

Weiß von euch jemand wo man für diese Schleifwalze (Durchmesser 63mm x 120mm) Schleifhülsen bekommen kann? Über ein Nachricht oder einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

Sonntag, 24. April 2016

Homöopathische Hausapotheke

Im letzten Jahr habe ich mit diesem Werkstück-Ensemble aus amerikanischer Kirsche angefangen und bin ganz erschrocken wie lange sich manche Details hinziehen können. Ich verschätze mich immer beim Aufwand für ein Werkstück, wobei bei diesem vieles dazwischen kam (also wie im echten Leben).
Das Zurichten der Teile habe ich noch im letzten Jahr abgeschlossen. Die Korpusteile bekommen Nuten, diese habe ich auf der Tischkreissäge gemacht.


In die Nuten werden der Deckel und der Boden nur lose gesteckt. Der Boden ist gefalzt und wird mit den Falzhobel eingepasst. Am Anfang macht man solche Teile gerne zu passend, bei der Montage wird es dann sehr schwierig. Beim Deckel ist es etwas filigraner, aber optisch schöner.



Der Korpus wird auf Gehrung verleimt. Dazu richte ich die Teile präzise aus und verwende ein stabiles Gewebeklebeband. Die Rückstände lassen sich nicht so schön entfernen, dafür wird alles schön "discht". Innen schütze ich die fertig geschliffenen Flächen mit einem Malerklebeband.




Die Korpusecken werden mit eingeleimten Federn verstärkt, dazu habe ich mir eine Vorrichtung für die Tischkreisäge gebaut. Das geht so relativ einfach, erfordert aber etwas Erfahrung mit der Tischkreisäge.



Die Federn werden passend gehobelt und mittels der einzig mir bekannten Art und Weise auf Länge geschnitten. Ich habe keine Ahnung wie man das ohne so eine schöne Gehrungssäge macht. Die Federn werden verleimt und plan gehobelt.





Der verleimte und verstärkte Korpus erhält eine umlaufende Nut auf der Tischkreissäge. Mit der Zapfensäge wird der sensible Schnitt gemacht, der Trennschnitt zwischen Deckel und Boden.




Die gehobelten Teile werden zueinander ausgerichtet und erhalten eine sehr präzise Scharnierfräsung mit der Lamello. Die Boxen bekommen Duplex-Scharniere. Diese sind super verarbeitet und lassen sich sehr leicht einfräsen. Bei diesem Werkstück wirkt es etwas wacklig, aber die Fräse hat genügend Auflagefläche.



Für das Innenleben musste ich noch einige Streifen verleimen und einpassen




Im Korpus werden kleine verschiebbare Kästchen auf verschiedenen Ebenen sein. Diese kleinen Kästchen bekommen Fingerzinken. Die Vorrichtung dazu hatte ich auch noch im letzten Jahr gemacht. Im Prinzip sind die Fingerzinken so breit wie das Sägeblatt, daher muss man nur eine Möglichkeit finden die Abstände gleichmäßig einzuhalten.

 

 Der Boden wird in eingesägte Nuten gesteckt, dazu müssen die Böden eingehobelt werden.

 

Das Verleimen der kleinen Kästchen ist wirklich sehr speziell. Der Leim muss in die kleinen Zwischenräume und das dauert. Mit "normalen" Schraubzwingen war mir das Verpressen nicht ganz geheuer. Mit den kleinen Korpuszwingen ging das sehr gut. Sie verteilen die Kraft schön auf die Flächen ohne Druckstellen und die Kraft lässt sich sehr präzise dosieren.

 

 Nach dem Verleimen werden die Kästchen eingehobelt bis sie schön im Korpus entlanggleiten.




Nach dem Feinschliff und dem Ölauftrag erfolgt die Montage. Bei solchen Projekten habe ich die Motivation nur Schrauben mit Schlitzantrieb zu verbauen. Mittlerweile hab ich zum Glück eine Bezugsquelle aufgetan, früher habe ich die alten Sammelgläser von den Opas und Onkels durchwühlt. Und die Montage geht nun dank der echt kölschen Wachsmischung auch viele leichter.
 

Hier das Ergebnis: