Montag, 17. Februar 2014

In die Zange genommen

Es sind Flachdübel die beim Holzwerken so vieles einfacher und schneller machen, nämlich stabile Verbindungen in kürzester Zeit. Eine wertvolle Erfahrung für mich war: immer erst eine Probemontage vornehmen - so bekommt man Überaschungen früher zu sehen und kann noch reagieren.
Die Passungen bei den Flachdübeln sind jedoch extrem. In der Regel halten die Dübel auch ohne Leim sehr gut und einen solchen wieder zu lösen kann sehr anstrengend sein. Wird die Haltekraft durch mechanische Hilfsmittel überwunden,  können die Dübel eventuell beschädigt oder gar zerstört sein. So schnell der Montagetest sein mag, die Dübel wieder zu entfernen ist oftmals kein Spaß.

Die Lamello-Dübel sehen unscheinbar aus, aber auch diese können sehr fest sitzen und das unabhängig von ihrer Größe.



Der Härtefall: große Dominodübel mit einer maximalen Stärke von 14mm und einer Länge von 140mm. Auch hierbei möchte ich nur ungern auf eine Probemontage verzichten.



Auf der Suche nach einer Lösung für dieses Problem habe ich nach geeignetem Werkzeug Ausschau gehalten. Es gibt viele sehr gute Werkzeughersteller in Deutschland und einer davon ist Knipex. Dieses Unternehmen hat sich voll und ganz auf Zangen spezialisiert und produziert seine Produkte in Wuppertal. Mir ist kein besserer Hersteller von Zangen bekannt und ich arbeite teilweise schon sehr lange mit den Knipex-Zangen.

Von links nach rechts: Großer Zangenschlüssel, zwei Cobra-Zangen, eine Lineman-Pliers (amerikanische Bauform einer Flachzange - fantastic), eine herkömmliche Flachzange und eine Glasausbrechzange.


Der Zangenschlüssel spannt parallel und kann wie ein Rollgabelschlüssel eingesetzt werden, lässt diesen aber völlig alt aussehen.



Ein "kleiner" Größenvergleich - das Lineal ist 30cm lang. 



Der Zangenschlüssel ist glatt geschmiedet ohne Profil. 



Die Rohrzange Cobra kann parallel verschoben und fixiert werden. Dieses Modell ist in sehr vielen Größen zu haben und sollte in keinem Haushalt fehlen, in der Werkstatt selbstverständlich auch nicht.



Mit die bekannste Zangengattung dürfte die Kombizange sein. Mit dieser lässt sich auch sehr viel bewerkstelligen. In Deutschland ist die rechte Kombizange weitverbreitet.



Ein absoluter Geheimtip ist die Lineman-Pliers - eine krasse Zange durch und durch. Sie ist länger und hat breitere Backen.



Durch die Größe bringt die Zange auch eine schöne Masse mit. Die Backen haben ein gekreuztes Profil. Die Schneiden sind länger und trotzdem lässt sich mit dieser Zange sehr feinfühlig arbeiten.


Die Zange hat auch hinter ihrem Drehpunkt in Richtung der Griffe noch einige Funktionen. Im Anglo-amerikanischen Bereich werden mit dieser Zange Kabel gezogen. Diese werden in den bei geöffneter Zange sichtbaren Kanal gelegt. Die Innenbacke schließt exzentrisch und die Kabel, oder in meinem Fall Drahtseile, werden festgehalten. Dahinter gibt es einen Crimp-Bereich und ganz am Ende angelangt nochmals zwei Greifflächen. Summa summarum Funktionen ohne Ende.



Das folgende Design gibt es sicher auch schon eine ganze Weile, war mir aber gänzlich unbekannt. Es handelt sich um eine Glasausbrechzange. Diese Zange hat sehr breite Backen, eine schöne Riffelung und öffnet bei parallel zueinander stehenden Backen ungefähr 16mm.






Mit den ausgewählten Zangen arbeite ich schon einige Zeit und habe zur Verdeutlichung eine kleine Versuchsreihe aufgebaut. Die Glasausbrechzange wäre grundsätzlich perfekt für die großen Dübel, sie greift dabei schön flächig. Bei den Riesendübeln sind allerdings meine Arme das reglementierende Element.



Bei den Kombizangen fehlt natürlich Auflagefläche, sie öffnen nicht parallel und greifen daher nur an den Ecken was diese beschädigen würde.




Die Rohrzange bringt genügend Übersetzung mit, die Auflageflächen sind leider sehr klein und hinterlassen Beschädigungen. Meine Arme haben immer noch keinen Kraftzuwachs erhalten und so ist die Position des Dübels unverändert.



Der Zangenschlüssel bringt eine brutale Kraftverstärkung mit und rutscht auch ohne Profil nicht. Aber der Dübel macht immer noch keinen Mucks.



Meine Lösung bei den großen Dübeln: leichte Überzeugungsschläge mit einem Gummihammer auf den Zangenschlüssel bewegen den Dübel in Richtung Ausgang.



Interessanterweise hinterlässt dieser durch den flächigen Griff ohne Profil keine Beschädigung. Besonders die Rohrzangen können wüstes mit den Dübeln anrichten.



Bei den Lamellodübeln ist die Situation deutlich einfacher. Es ist weit weniger Kraft notwendig diese wieder zu lösen. Hier finde ich große Greifflächen wesentlich wichtiger, diese bringen sowohl die Lineman-Pliers als auch die Glasausbrachzange mit.



Die Dübelstärke bei den Lamellos ist noch im optimalen Öffnungsbereich der Zange und die Griffigkeit ist sehr gut.


Fazit: Gutes Werkzeug hilft. Zur Not geht es auch mit einem Schraubstock und dem Gummihammer, aber diese Lösung war und ist für mich ein Provisorium, daher versuche ich zuerst die schonende Methode.

Kommentare:

  1. Hallo Timo,

    Ein interessantes Thema, gut präsentiert! Ich habe mir von den Dominos mal einen Satz Probedübel gemacht die etwas angeschliffen waren. Das geht in Ordnung, nur muss man sehr viele Probedübel in allen Größen haben und diese auch noch sortiert aufbewahren. Deine Methode ist praxisnäher.

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  2. Hallo Timo,

    ein sehr interessanter Beitrag. Die Zangen sind Bestandteil einer jefen Werksatt. Aber die Spezialisten sind wohl steltener vertreten. Gut, dass Du sie uns einmal gezeigt hast. Bei einer Ergänzung werde ich nach entsprechenden Werkzeugen Ausschau halten.

    Herzliche Grüße

    Uwe

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  3. Hallo Timo,
    die hartnäckigen Dominos ziehe ich mit einer großen Beißzange. Da kann man wunderbar auch mit einem normalen Hammer unterstützen. Der Schaden am Dübel ist gering. Eine Beißzange hat vermutlich jeder Holzwerker (auf jeden Fall der, der auch eine Dominofräse hat) im Haus.
    Schmunzeln musste ich als ich den Beitrag gelesen habe - über fest sitzende Dominodübel hat sich garantiert schon jeder Dominodübellochfräserbesitzer geärgert ;-)
    Herzliche Grüße
    Volker

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  4. Schöner Bericht über Zangen. So einen großen Zangenschlüssel muss ich mir auch mal zulegen.
    Gruß Achim

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